Existenzgründung in der Physiotherapie

Sie wollen sich als Physiotherapeutin bzw. als Physiotherapeut im Rahmen einer Existenzgründung selbstständig machen?

Klar ist: Viele Physiotherapeuten haben eine sehr gute theoretische und praktische Ausbildung und bringen viel persönliches Engagement und Motivation mit. Für eine Existenzgründung ist „sein Handwerk beherrschen“ die Basis – wird also vorausgesetzt. Darüber hinaus brauchen Sie allerdings auch wirtschaftliche Fähigkeiten, dass Wissen dazu und einen „Unternehmer“-Geist.

Um Ihren Traum in die Tat umzusetzen, werden Sie an Ihrem Businessplan arbeiten, eine Marketingstrategie entwerfen und benötigen für das Vorhaben vermutlich auch einen Kredit.

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Wir wissen, dass Sie das schaffen! Jedoch muss man das eben erst lernen, wie jede andere Sache auch. Schritt für Schritt … hierzu haben wir Ihnen die Wichtigsten Punkte zusammengefasst:

[bsf-info-box icon=“Defaults-info-circle“ icon_size=“32″ title=“Was Existenzgründer wissen sollten:“]Existenzgründung als Physiotherapeut: Als Existenzgründer in der Physiotherapie ist grundsätzlich festzustellen, dass nicht Existenzgründer selbst entscheiden oder bestimmen können, ob sie zukünftig in einem freien Beruf oder als Gewerbetreibende selbstständig sind. Die steuerliche Zuordnung wird durch § 18 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) sowie zahlreiche Gerichtsurteile eindeutig bestimmt.[/bsf-info-box]

Physiotherapeut = Freiberufler

Im Rahmen einer Existengründung müssen Sie wissen: Zu den freien Berufen gehören danach die selbstständig ausgeübten wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeiten sowie die persönlichen Dienstleistungen qualifizierter Art, die eine höhere Bildung erfordern. Jedenfalls freiberuflich tätig sind die Angehörigen der sogenannten Katalogberufe des § 18 Abs. 1 EStG: Hierzu zählen auch Physiotherapeuten / Krankengymnasten.
Angehörige eines freien Berufs sind nach § 18 Abs. 1 Satz 3 EStG grundsätzlich auch dann freiberuflich tätig, wenn sie sich der Mithilfe fachlich vorgebildeter Arbeitskräfte bedienen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Selbstständigen aufgrund eigener Fachkenntnisse leitend und eigenverantwortlich tätig werden.
Damit gilt, dass Sie als selbstständiger Freiberufler grundsätzlich nicht der Gewerbesteuerpflicht unterliegen, außer die Gewerbesteuerpflicht ergibt sich aus der Gesellschaftsform anderweitig (z.B. durch die Gründung einer GmbH oder UG). Freiberufler melden ihre selbständige Tätigkeit daher auch nicht beim Gewerbeamt, sondern beim Finanzamt an. Das Finanzamt teilt sodann eine Steuernummer zu.

Physiotherapeuten sind darüber hinaus auch nicht umsatzsteuerpflichtig, solange eine Verordnung vorliegt oder die Leistung im Rahmen von Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen abgegeben wird. In diesen Fällen weisen auf Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer aus und sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Behandlungen im Anschluss/Nachgang zu einer ärztlichen Verordnung jedoch sind laut Oberfinanzdirektion seit 2012 umsatzsteuerpflichtig. Verfügt der Heilmittelerbringer allerdings über einen Heilpraktikerabschluss sind diese Leistungen wieder umsatzsteuerfrei.

Ein weiteres Privileg der Freiberufler ist die Möglichkeit, die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 Einkommensteuergesetz vornehmen zu können, d. h., der Jahresabschluss kann in der Form einer „Einnahmen-Überschuss-Rechnung“ erstellt werden. Diese „einfache“ Gewinnermittlung ist weniger aufwändig als die Erstellung einer Bilanz und spart dadurch Kosten für die Steuerberatung. Im Einzelfall kann es als Vorteil gewertet werden, dass Freiberufler weniger gesetzlichen Verpflichtungen unterliegen als Gewerbetreibende – so werden keine regelmäßigen statistischen Angaben erhoben und es besteht auch nicht die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer. Eine berufsständische Kammer wie z. B. eine Ärztekammer existiert in der Heilmittelbranche nicht.

Es ist dementsprechend lohnenswert, schon im Rahmen der Existenzgründung gemeinsam mit dem Steuerberater ein Konzept zu erarbeiten, welches den freiberuflichen Charakter der Tätigkeit gewährleistet und eine Gewerbesteuerpflicht damit ausschließt.

Physiotherapeut = Gewerbe

Neben der Gewerbesteuerpflicht kraft Rechtsform (Kapitalgesellschaft wie UG oder GmbH) ergeben sich noch weitere Fallstricke, die zu einer gewerblichen Tätigkeit bei Physiotherapeuten führen. Der Status des Freiberuflers ist gefährdet, wenn Umfang oder Art der Tätigkeit verändert werden. Die folgenden Fälle können beispielsweise zur Gewerblichkeit führen:

Eröffnung einer zweiten Praxis oder Beschäftigung von mehr als drei Mitarbeitern

Durch die Eröffnung einer zweiten Praxis kann die Überwachungstätigkeit und die Eigenverantwortlichkeit des Inhabers nicht mehr gewährleistet werden. Die Leistung wird nicht mehr durch den Praxisinhaber ausgeführt, sondern durch Angestellte, ohne dass deren Tätigkeit durch den Praxisinhaber jederzeit überprüft werden kann. In solch einem Fall sollte man darüber nachdenken, einen leitenden Therapeuten einzustellen oder Mitarbeiter zu Mitgesellschaftern zu machen. Schließlich müssen sie nicht die gleichen Rechte erhalten wie man selbst.

Verkauf von Therapiematerialien

Beim Verkauf von Gegenständen handelt es sich um eine gewerbliche Tätigkeit. Sie unterliegt deshalb der Gewerbesteuerpflicht. Ein kleiner Nebenerwerb ist aber möglich, solange dieser nicht 1,25% des Gesamtumsatzes der Praxis überschreitet. Darüber sollte jedoch gesondert Buch geführt werden. Der Verkauf sollte nur in einem separaten Raum oder aber allenfalls an der Anmeldung stattfinden, um Therapie und Verkauf deutlich voneinander zu trennen.

ACHTUNG: Entstehen freiberufliche und gewerbliche Umsätze in einer Praxis, so kann für die gesamte Unternehmung Gewerbesteuerpflicht entstehen, wenn es sich bei dem Unternehmen um eine GbR handelt (sogenannte „Abfärbetheorie“ oder „Infizierung“).

Freiberufler stellt fachfremden Freiberufler ein

Stellt beispielsweise eine Ergotherapeutin eine Logopädin ein, entsteht Gewerbesteuerpflicht, da der Arbeitgeber auf Grund seiner Ausbildung nicht in der Lage ist die Arbeit des Mitarbeiters zu überwachen oder diesen zu vertreten. Einzige Möglichkeit in diesem Zusammenhang ist, den Mitarbeiter als Mitgesellschafter in die Gesellschaft aufzunehmen oder einen Mitarbeiter dieser Berufsgruppe als leitenden Therapeuten einzustellen.

Beteiligung eines Gewerbetreibenden als Mit-Gesellschafter

Bei einer Unternehmensgründung mit mehreren Partnern ist die Personengesellschaft, die daraus entsteht, nur dann freiberuflich, wenn alle Gesellschafter freiberuflich sind! Ein „Nicht“-Freiberufler macht die ganze Unternehmung zum Gewerbebetrieb. Demnach muss in solchen Fällen Gewerbesteuer gezahlt werden und auch alle anderen Bestimmungen, die einen Gewerbebetrieb betreffen erfüllt werden.

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