Fehler bei Existenzgründung in der Physiotherapie

Steuerberater für Physiotherapeuten

Steuerberater für Physiotherapeuten

Die häufigsten Fehler bei der Gründung der eigenen Praxis als Physio! 

  • 20 Prozent der Praxisgründungen scheitern innerhalb der ersten drei Jahre
  • bis zu 50 Prozent geben nach fünf Jahren auf

Damit Sie nicht in diese Verlegenheit geraten, informiere ich Sie über die häufigsten Fehler in der Existenzgründung mit der eigenen Praxis.

Fehler 1: Mangelhaftes Wissen und falsche Sparsamkeit!

Das Problem welches man nicht kennt, ist das schlimmste!

Eine Existenzgründung sollte wohl überlegt und gut durchdacht sein. Daher ist es zwingende Voraussetzung, dass man sich mit den essenziellen Gegebenheiten der Existenzgründung auseinandersetzt, um böse Überraschungen zu vermeiden. Umfangreiches Sammeln von Informationen durch:

  • Existenzgründerseminare
  • Bücher über Existenzgründung
  • Gespräche mit erfolgreichen Gründern oder Gründerberater
  • Vermeiden Sie Foren, oftmals sind sie nicht hilfreich.

Um diese Informationen zu erhalten, ist es zwangsläufig notwendig zu investieren. Denken Sie daran, dass jeder investierte Euro später auszahlt. Nehmen wir doch einfach mal an, dass Sie erfahren, dass Sie bestimmte Kostenfaktoren falsch kalkuliert haben und früh genug gegensteuern. Das reduziert nicht nur den Stress, sondern auch die Belastung Ihres Geldbeutels. Denn alles, was überraschend kommt, ist immer teurer, als wenn es geplant wurde.

 

Fehler 2: Kein Konzept!

Ohne Planung ist das Chaos vorprogrammiert. In einem Businessplan sollte ausführlich das Gründungsvorhaben zusammengefasst werden. Wichtig sind: Das Umfeld, Mitbewerber, Organisation, Chancen, Risiken und die Finanzierung. Für den Businessplan sollten Sie drei bis sechs Monate einplanen.

 

Fehler 3: Schlechte Finanzierungsplanung!

Vielen Gründern wird es zum Verhängnis, dass sie nicht alle Eventualitäten eingeplant haben und sie in finanzielle Not geraten, die teilweise in die Insolvenz führt. So wird meistens einkalkuliert, dass alle Rechnungen pünktlich bezahlt werden. Bitte tun Sie das nicht. Planen Sie Zechpreller und „PKV-Darlehensnutzer“ mit ein. Seien Sie ruhig großzügig, sollte die Quote niedriger sein, wendet es sich nur positiv. Noch etwas: Gerade die Krankenkassen, mit denen Sie ja abrechnen wollen, verzögern gerne die Zahlungen und können das Kontokorrent erheblich belasten.

 

Fehler 4: Der Wettbewerb wird unterschätzt!

Viele kennen nicht gut genug die örtlichen Gegebenheiten für eine Praxis. Seien Sie mal ehrlich, es gibt sehr viele andere physiotherapeutische Praxen! Doch von denen müssen Sie sich unterscheiden. Bieten Sie etwas an, was andere nicht anbieten (Alleinstellungsmerkmal)? Schauen Sie sich an, was die Praxen in Ihrer Umgebung so zu bieten haben. Können Sie da mindestens mithalten? Es müssen nicht immer Leistungsunterschiede sein. Es können auch innovative Konzepte sein, die den Unterschied machen können.

 

Fehler 5: Betriebswirtschaftliches Wissen fehlt!

Rund 2/3 der Praxisgründer haben schwerwiegende betriebswirtschaftliche Defizite. Die Defizite sind in der Regel der Grund für ein frühes Ende der eigenen Praxis. Knapp 1/4 der Praxisgründer schätzen den Umsatz, den sie erzielen werden, so dermaßen falsch ein, dass auf dieser Basis die Finanzierung direkt in Schieflage gerät! Umsatzkalkulation und Kostenkalkulation sind vielen unbekannt.

 

Fehler 6: Kein einzelner Gründer!

Immer wieder gründen „gute Freunde“ eine Praxis. Doch dann kommt manchmal das böse Erwachen. Es gibt Streit unter den Gründern. Oftmals wird dieser ausgelöst, weil einer der Gründer davon überzeugt ist, benachteiligt zu werden. Manchmal ist es aber auch der Wegfall der Arbeitsleistung durch Krankheit. In der Regel werden nicht alle Eventualitäten im Vertrag berücksichtigt. Wie auch? Der Vertrag würde locker 100 Seiten umfassen.

Wenn Sie es nicht vermeiden können:

  1. Nur einer ist der Geschäftsführer!
  2. Suchen Sie sich einen Fachanwalt, der mit Ihnen alle Eventualitäten berücksichtigt!
  3. Suchen Sie sich Ihren Partner sehr gut aus!
  4. Idealerweise ist der andere nur der Geldgeber!

Fehler 7: Aus Fehlern wird nicht gelernt!

Glauben Sie, dass Sie perfekt sind? Das sind Sie leider nicht, doch das ist nur menschlich! Fehler werden immer und überall gemacht. Doch die Fehler werden nur einmal gemacht. Daraus sollten Sie lernen und schon im Vorfeld versuchen eine Fehlerprävention durchzuführen.

Stecken Sie mal so richtig tief im Fehler drin:

  1. Scheuen Sie nicht jemanden um Rat zu fragen!
  2. Holen Sie frühzeitig professionelle Beratung!
  3. Es ist besser 500 € zu investieren als 5.000 € zu verlieren!

Fehler 8: Schlechte Vorbereitung für den Praxisalltag!

Gehen Sie alles in der Gründungsphase durch: Von der Rechnungsstellung an Privatpatienten (Mit den von Ihnen ermittelten Preisen!) bis hin zur Abrechnung mit den Krankenkassen!

Das Schlimmste, was passieren kann:

„Ich habe jetzt meine erste Verordnung fertig behandelt, wie komme ich an mein Geld?“

Es kommt wirklich vor, dass Praxisgründer vor solch essenziellen Fragestellungen stehen, nachdem sie die Praxis eröffnet haben!

 

Fehler 9: Mitarbeiterbetriebswirtschaft nicht bekannt!

Als Angestellter interessieren sich die wenigsten, wie ein Mitarbeiter in einer betriebswirtschaftlichen Kalkulation gestaltet wird. Den wenigsten ist bekannt, dass es hierfür gesetzliche Vorgaben gibt, die einzuhalten sind.

 

Fehler 10: Urlaub in der Gründungsphase!

Man erlebt es immer wieder: Ein Geschäft wird eröffnet und kurze Zeit später hängt ein Schild mit 2 Wochen Urlaub an der Tür. Das wird auch von manchem Existenzgründer in der Physiotherapie so gehandhabt.

Dadurch wird die Gründerphase stark erschwert und gestört. Nehmen wir mal an, dass jede Woche 2 potenzielle Kunden vor der Tür stehen. Bei zwei Wochen sind das 4 Kunden oder ca. 360 € bis 800 € Umsatzverlust. Ganz zu schweigen von dem Umsatzverlust durch die Fehlenden Behandlungen in den 2 Wochen. Je nach bestehender Auslastung, bedeutet dies einen Verlust von ca. 500 € bis 3.000 €.

Insgesamt gehen also 1.000 € bis 4.000 € verloren. Noch viel mehr, wenn entsprechende Kunden Sie nicht antreffen und/oder Sie einen noch höheren Umsatz pro Woche erzielen.

In der Gründerphase kann dies Solvenzprobleme bedeuten und die Gründung gefährden!

Machen Sie sich von Anfang an klar, dass für Sie in der Gründerphase kaum bis keinen Urlaub machen sollten. Erst wenn der Betrieb sich etabliert hat und der Umsatzverlust ausgleichbar wird, duch Mitarbeiter oder Ersparnisse, kann über ein Urlaub nachgedacht werden. Bedenken Sie, dass dies erst nach 3 Jahren erst sein kann, bis dahin müssen Ihnen die Feiertage reichen.

 

Fehler 11: Zu viel Urlaub!

Relativ oft wird missachtet, dass in der 3 Jährigen Gründerphase kein Urlaub genommen werden sollte. Doch selbst im Anschluss an die Gründerphase, gibt es hin und wieder Praxisinhaber die entweder für 4 Wochen am Stück oder über das Jahr verteilt mehr als 6 Wochen nehmen. Die Praxisstrukturen müssen solchen „Luxus“ tragen können. Denn der Praxisinhaber muss hierbei auch mit einbeziehen, dass die Mitarbeiter eine ständige Abwesenheit des Praxisinhabers nicht lange tolerieren. Erst recht nicht wenn noch andere negativen Einflüsse im Arbeitsumfeld auftreten. (geringer Stundenlohn, mangelhafte Wertschätzung, Praxiskrise u. a.)

 

Fehler 12: Mangelhafte Gesundheit/Fitness!

Sie werden es kaum glauben: Es sind schon Praxen in Konkurs gegangen, weil der Gründer ein Fitnessproblem hatte. Existenzgründung ist anstrengend und Sie werden deutlich weniger Zeit/Geld zur Verfügung haben um sich Ihrer Gesundheit/Fitness zu widmen.

Beugen Sie dem vor indem Sie sich aller zukünftigen Belastungen zu entledigen:

  • Beginnen Sie früh mit Ausdauersport!
  • Nehmen Sie sich immer dafür Zeit!
  • Gehen Sie noch vor der Gründung zum Zahnarzt und lassen alles beheben!
  • Gönnen Sie sich auch mal Ruhe!
  • Sonntag sollte auch für Sie ein Ruhetag sein!
  • Setzen Sie sich eine maximale Arbeitszeit pro Woche!
  • Kümmern Sie sich um Ihre Familie!

Fehler 13: Höhere Mitarbeiterkosten durch Fehlplanungen!

Stellen Sie sich folgendes vor:

Sie stellen einen Mitarbeiter ein und dieser erhält von Ihnen 2.000 € Bruttolohn. Der Mitarbeiter fährt für Sie Hausbesuche und nach dem ersten Monat kommt er zu Ihnen und stellt die gefahrenen Kilometer als Aufwandsentschädigung in Rechnung.

Der Mitarbeiter möchte eine Fortbildung durchführen und Sie erklären sich bereit die 2.500 € zu übernehmen. Doch kaum ist die Fortbildung in der Tasche, haben Sie die Kündigung des Mitarbeiters auf dem Tisch.

Der nächste Mitarbeiter ist erst ein paar Monate später eingestellt, das hat Ihre Mitarbeiterwechselkosten in die Höhe getrieben.

Der neue Mitarbeiter wird nur 14 Tage später krank. Sie stellen sich dann die Frage: Wer bezahlt jetzt das Gehalt weiter? Sie selbst oder die Krankenkasse? Was ist die Umlage-1 und wofür die Umlage-2 & 3?

Nachdem der Mitarbeiter genesen ist, soll dieser Überstunden leisten. Doch Sie haben vergessen dies im Vertrag zu integrieren und der Mitarbeiter verweigert die Überstunden. Auch weil die Vergütung der Überstunden im Vertrag nicht geregelt ist. Haben Sie etwa den Vertrag Ihres alten Arbeitgebers genutzt? Dies ist gerade in dem Bereich der Physiotherapeuten ein großer Fehler.

Nachdem der Mitarbeiter eine Fortbildung besucht und abgeschlossen hat, kommt er zu Ihnen und erwartet eine Gehaltserhöhung. Was ist hier realistisch?

Menü